Kreatives Schreiben: Grundlagenwissen 1 – Formulieren


Schreiben ist nicht gleich Schreiben. Der Schreibstil eines Menschen ist nahezu so einmalig wie sein Fingerabdruck, Textsachverständigen ist es sogar möglich, mit genügend Textmaterial einen Text einwandfrei einer Person zuzuordnen – allein anhand von Formulierungen, Wortwahl, Wortschatz etc. 
Aber wie findet man den Anfang? Gerade wenn es um kreatives Schreiben von Romanen und Ähnlichem geht? Schreiben und Formulieren lernen wir alle irgendwann in der Schule, dennoch gibt es für Anfängerautoren einige Dinge zu beachten, wenn sie selber das erste Buch schreiben wollen. Daher wird es in diesem Blogeintrag MEGA META: Ich schreibe darüber, wie man (gut) schreibt ;-)
Hier also einige absolute Beginner’s tips, fortgeschrittene Autoren werden schon darüber hinaus sein, andererseits kann es nie schaden sich die Grundlagen noch einmal anzuschauen:

Geschriebene vs. gesprochene Sprache

Man neigt dazu, so ähnlich zu schreiben, wie man auch spricht. Natürlicherweise, da man beim Sprechen ständig formulieren muss und diese bestimmte Art, Sätze zu bilden, sich auch im Geschriebenen niederschlägt. Prinzipiell ist das okay, dennoch sollte man gerade beim Erzähltext nicht genauso schreiben wie man spricht. Das heißt konkret:
  • Nicht nur kurze Satzgefüge, ruhig auch mal längere Sätze, solange sie verständlich bleiben
  • Sparsamer Einsatz von „Füllwörtern“ (sogenannten Partikeln, besonders Modalpartikeln) wie etwa: ja, halt, aber, wohl, doch, also … Sie müssen nicht komplett verschwinden, sollten aber nicht so übermäßig im Erzähltext vorkommen wie in der gesprochenen Sprache 
  • Korrekte Rechtschreibung! Verkneift euch im Erzähltext auch so etwas wie nich’ statt nicht (mit ganz wenigen Ausnahmen)
  • Korrekte Rechtschreibung 2, schriftsprachliches Vokabular verwenden; also nicht runter, sondern herunter beziehungsweise hinunter oder rauf, sondern herauf etc.
Beim Dialogtext hingegen hat man mehr Freiheiten, auch dort sollte man auf die Sprache seiner Figuren achten, kann sich aber unter bestimmten Umständen sogar grammatische Fehler oder Wortschatzfehler erlauben, wenn es zu Figur und Situation passt.

Die Abwechslung macht’s

Um den Leser nicht zu langweilen, ist die wahre Kunst des Formulierens, abwechslungsreich zu schreiben, nicht immer die gleichen Satzstrukturen zu verwenden und Sätze auf ansprechende Art und Weise miteinander verbinden, ohne dabei zu kompliziert zu werden.
Also eher nicht:
Er ging an jenem Abend die Straße entlang. Er kaufte eine Zeitung am Kiosk. Er fing an die Zeitung zu lesen.
Sondern eher: An jenem Abend ging er die Straße entlang, kaufte am Kiosk eine Zeitung und begann sofort darin zu lesen.
Für den Anfang kann man auch schauen, dass die Sätze nicht zu oft mit dem gleichen Wort anfangen, oder generell versuchen häufige Wortwiederholungen zu vermeiden. Nicht immer „und dann machte er dies und dann machte er das …“, lieber Hauptsatz und Nebensatz mit vielen unterschiedlichen Adverbien (deshalb, trotzdem …) oder Konjunktionen (und, denn, aber, weil …) verbinden.
By the way: Das Synonymwörterbuch (oder entsprechende Online-Funktionen) sollte euer bester Freund beim Schreiben werden! ;-)

Auf Logik- und Bezugsfehler achten

Ihr wisst immer, was ihr schreibt und wovon ihr schreibt, denn ihr seid „drin“ in eurer Handlung und eurer Geschichte. Der Leser aber nicht, dem Leser ist nicht automatisch alles klar, was euch klar ist. Denkt an den Leser, während ihr schreibt, verwendet so etwas wie Relativpronomen immer nur, wenn der Bezug eindeutig ist und untersucht eure Texte auch nach Fertigstellung insbesondere auf Logik- und Bezugsunklarheiten. 
Beispiele für Fragen, die man sich selbst dazu stellen kann:
  • Von welchem Charakter ist hier eigentlich gerade die Rede bzw. wer spricht gerade?
  • Hat die Handlung einen abrupten, für den Leser nicht nachvollziehbaren Bruch?
  • Ist der (Kausal-)Zusammenhang von zwei oder mehr Sätzen stets nachvollziehbar? 
  • Der Schauplatz der Handlung hat gewechselt? Ist das durch die Textstruktur (z. B. neuer Absatz oder neues Kapitel) erkennbar oder wird es im Text explizit erwähnt?

Bildhafte Sprache verwenden

Metaphern und rhetorische Figuren können euch helfen eure Sprache bildhafter, anschaulicher und abwechslungsreicher zu gestalten. Von ihnen gibt es viele, einige Beispiele: 
Metaphern, Vergleiche, Lautmalereien, Wortspiele, Redensarten, Personifikationen, Allegorien, Übertreibungen/Untertreibungen, Phrasen und Floskeln, Parallelismen, rhetorische Fragen, Wiederholungen …

Kenne die Regeln, um sie brechen zu können

Grammatik lernen kann langweilig und eintönig sein. Dennoch benötigt jeder angehende Autor solide Kenntnisse darin. Er muss wissen: 
  • Welche Zeitformen es gibt, wie man sie korrekt bildet und in welcher Situation man welche einsetzt 
  • Satzbau: Was ein Hauptsatz und was ein Nebensatz ist, welche Unterarten es gibt und auf welche Arten man sie sinnvoll und grammatikalisch miteinander verknüpfen kann
  • Welche Fälle es im Deutschen gibt und wie man diese korrekt einsetzt
  • Wie man Adverbien, Adjektiven und Präpositionen benutzt
  • Was die Modi des Verbs sind; reale und irreale, wie etwa Indikativ, Imperativ oder Konjunktiv
  • Wie der Einsatz von Aktiv und Passiv funktioniert
… Und noch mehr.
Denn erst wenn ihr die Regeln kennt, dürft ihr sie auch brechen, um zum Beispiel einen ganz bestimmten Effekt beim Leser zu erzielen.

Korrigieren, korrigieren und nochmals korrigieren

Man kann es nicht oft genug sagen. Einen Text herunterzuschreiben genügt nicht, ihr müsst mehrmals Korrektur lesen, auf Sinnhaftigkeit, auf Grammatik, auf Rechtschreibung- und Kommasetzung. Mehrere Korrekturdurchläufe können anstrengend sein, sind aber wichtig und ganz normal. Einen Lektor solltet ihr erst dann an euren Text lassen, wenn ihr selbst nichts mehr (und zwar gar nichts mehr!) findet. 

Ja, ihr seht es sind die Basics, aber ich habe schon zahlreiche Texte von jungen Autoren gesehen, die inhaltlich sogar vielversprechend sind, aber deutliche handwerkliche Defizite aufweisen. Nicht zuletzt hilft Lesen ungemein, aufmerksam lesen, nicht nur „konsumierend lesen“, schaut euch an wie andere Autoren formulieren und beachtet dabei weniger den Inhalt, sondern die Struktur. Daraus könnt ihr viel für euren eigenen Schreibstil lernen!


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